Welches Spiel?

Schon für den erfahrenen Preisskat Skatspieler ist es oft schwer, sich zu entscheiden, ob er auf seine Karte ein Spiel wagen soll, weit mehr für den Anfänger, der noch keine Übung hat.

Hat er mehrere Buben und eine lange Farbe, so ist es keine Kunst, dieses Spiel auszureizen. Sind aber alle Farben vertreten mit wenigen oder mit den niedrigen Buben und mit keinem oder nur einem As, so muß der Spieler überlegen, ob diese Karte mit etwas Wahrscheinlichkeit durch den Skat so verbessert werden kann, daß sie ein aussichtsreiches Spiel verspricht.

Es muß immer daran gedacht werden, daß zum Gewinnen 61 Augen gehören, oder, was dasselbe ist, daß die Gegenspieler nicht 60 Augen bekommen dürfen. Hat man die Möglichkeit, von der Nebenkarte eine Farbe ganz und zudem noch viel Augen drücken zu können, so ist das schon recht günstig. Gehen aber voraussichtlich 3 Stiche auf die Nebenkarten und noch 1 oder 2 Trumpfstiche ab, dann ist die Sache sehr bedenklich.

Wenn auch diese Beurteilung erst durch Übung gelernt werden muß, so wollen wir doch versuchen, an einigen Beispielen zu erklären, worauf es ankommt.

Zunächst eine gute Karte, auf die Vorhand bis 23 reizt und das Spiel erhält.

Beispiel 1: Pik Bube, Herz Bube, Kreuz 10, König, Dame, 9, Pik As, Herz 10, König, Karo 10. Im Skat liegen Pik Dame und Karo 7. Der Spieler drückt Pik Dame und Karo 10, sagt Kreuzspiel an und spielt Pik Bube aus. Wenn die Trümpfe nicht sehr schlecht sitzen, dann wird das Spiel höchstwahrscheinlich gewonnen.

Beispiel 2: Kreuz Bube, Herz Bube, Pik As, König, 7, Herz König, 9, 7, Karo As, 10. In den Skat wurden Kreuz 10, 7 gelegt. Mit dieser Karte wird nicht Pik, sondern Herz gespielt, weil es besser ist, bei den Nebenkarten das As zu haben. Der Spieler rechnet damit, daß Pik As, Karo As, 10 durchgehen und vielleicht Kreuz As gestochen werden kann, und daß die Trümpfe bei den Gegnern annähernd gleich verteilt sind. Dann wird das Spiel, zumal noch 10 Augen gedrückt wurden, höchstwahrscheinlich gewonnen, obgleich Spieler nur 5 Trümpfe hat.

Beispiel 3: Hinterhand hat Kreuz Bube, Pik Bube, Kreuz As, 10, König, 7, Pik As, 7, Herz As, 9, 8, Karo König, drückt Pik 7 und Karo König und sagt Großspiel an. Angespielt wird Karo As und 7. Es erscheint nun verlockend, das As zu stechen, dann hat Spieler aber nur noch einen Buben und wenn ein Gegenspieler beide fehlenden Buben hat, so kommt das Spiel in Gefahr. Spieler wirft daher Herz 8 ab und wenn jetzt Karo 10 kommt, wirft er auch Herz 9 noch ab. Nun kommt wahrscheinlich eine andere Farbe und der Spieler hat Rest, macht sogar Schneider.

Beispiel 4: Karo Bube, Kreuz 10, Pik 10, König, Dame, 9, 8, Herz As, Karo 8, 9. Spieler reizt zunächst unbedenklich bis 23. Findet er ganz schlechten Skat, z. B. Kreuz 7 und Herz 8, so kann er sich immer noch mit Null legen, d. h. verloren geben, denn "Pik ohne 3" ist teuer. Wird aber weiter gereizt, so muß er wissen, ob er sich in Gefahr begeben soll. Durch den Skat kann das Spiel auch sehr gut werden, wenn z. B. ein As oder Herz 10 liegt. Das ist also Sache des persönlichen Mutes.

In diesem Beispiel kann auch gezeigt werden, wie gedrückt werden muß. Angenommen, es liegen im Skat Kreuz 7 und Karo König, so drücke ich Kreuz 10 und 7. Liegen aber Kreuz 7 und Herz 8 und ich will mich nicht mit Null legen, sondern trotz der schlechten Karte das Spiel wagen, dann drücke ich Karo 8 und 9 in der Überlegung, daß vielleicht Kreuz As gezogen wird, wodurch meine 10 hoch würde und daß ich Herz 8 billig los werde.

Beispiel 5: Kreuz Bube, Pik Bube, Kreuz As, 10, 9, 8, Pik 10, König, Herz As, König. Ein schönes Kreuzspiel. Da ich die hochzählenden Trümpfe As und 10 selbst habe, so spiele ich zunächst nicht Buben, sondern Kreuz aus. Die Spieler können darauf höchstens 7 Augen bekommen. Nachher kann ich wahrscheinlich mit den beiden Buben alle restlichen Trümpfe abziehen. Zöge ich erst die Buben, so machten die Gegner den dritten Trumpfstich, auf den dann aber sicher 10 oder 11 Augen gewimmelt würden. Wird Pik nicht angespielt, so daß ich meine 10 nicht hoch bekomme, so spiele ich gleich die 10 aus, um zu vermeiden, daß die Gegner schneiden, meine 10 trotzdem fangen und womöglich mit Wimmelung, wenn der eine Gegner inzwischen seine letzte Pik-Karte abwerfen konnte.

Oft ist nach den vorhandenen Karten die Entscheidung nicht ganz einfach, ob die Gewinnaussichten für das eine oder andere Spiel größer sind. Es kann vorkommen, daß gleichzeitig ein Großspiel oder ein Kreuz- oder ein Pikspiel oder gar ein offenes Null möglich erscheint. So z.B. bei folgender Karte:

Beispiel 6: Kreuz Bube, Pik Bube, Kreuz As, 10, König, 7, Pik As, 9, 7, Herz 8, 9, Karo As. In Vorhand würde ohne Zweifel Herz 8, 9 gedrückt werden und Großspiel unverlierbar sein. Selbst wenn die fehlenden Buben in einer Hand sitzen, brauchen nur die Buben, Asse und Kreuz gezogen zu werden, um über 60 Augen zu bekommen.

Anders, wenn der Spieler in Mittel- oder Hinterhand sitzt. Auch hier kann Großspiel gewagt werden. Wem aber Spieler gleich zum Stechen gezwungen wird und die Buben sitzen in einer Hand, so kann vielleicht ein As gestochen werden, und wenn dann die Herz-Karten lang in einer Hand sitzen, so geht das Spiel verloren, dagegen erscheint das Kreuzspiel auch in Hinterhand ziemlich sicher. Es könnte nur gefährlich werden, wenn die Trümpfe in einer Hand sitzen, oder wenn Pik As gestochen wird.

Offenes Null ist in Mittel- oder Hinterhand gefährlich, weil Karo As und Herz 9 gedrückt, also Herz 8 behalten werden müßte. Wenn nun Gegenspieler auf Kreuz oder Pik seine Herz-Karten abwirft und der andere spielt dann die 7 aus, so ist das Spiel verloren.

Natürlich auch dann, wenn Pik König, Dame, 10, 8 in einer Hand sitzen, weil dann das As einen Stich machen muß.

Der Spieler würde also auf obige Karte in Vorhand Großspiel, sonst Kreuz spielen. Ein Großspiel in Mittelhand und Hinterhand mit nur 2 Buben ist wie gesagt immer gewagt, wenn man nicht sehr gute Nebenkarten mit 3 Assen hat oder viele Augen hat drücken können. Anders in Vorhand:

Beispiel 7: Kreuz Bube, Pik Bube, Kreuz As, 10, König, 9, 8, Pik 9, 8, 7, Herz 10, 7. Gedrückt wird Herz 10, 7. Mit dieser Karte dürfte man Großspiel in Mittelhand und Hinterhand nicht wagen. Wohl aber in Vorderhand. Spieler zieht die Buben und Kreuzkarten und bekommt damit genug Augen. Beweis: Die Gegenspieler erhalten in den drei letzten Stichen im günstigsten Falle 3 Asse, 2 Zehnen, l König = 57 Augen.

Beispiel 8: Vorhand hat Herz Bube, Karo Bube, Kreuz As, 10, Dame, 9, 8, Pik As, 10, König, Herz 8, 7. Letztere werden gedrückt. Auch ein unverlierbares Großspiel für Vorderhand. Aber ja nicht Buben spielen, so könnte man u. U. schwarz werden. Mag Gegner stechen, Spieler kommt mit einem Buben gleich wieder ans Spiel, dasselbe noch einmal und Spieler hat Rest. Die Gegner können nur zwei Stiche bekommen, deren Augen nicht reichen, da ja 2 Buben dabei sind.

Das Nullspiel unterscheidet sich wesentlich von allen anderen beim Skat vorkommenden Spielformen. Trumpf gibt es nicht, die Buben gehören zur Farbe. Reihenfolge As, König, Dame, Bube, 10, 9, 8, 7. Wie schon gesagt wurde, darf der Nullspieler keinen Stich machen. Die Gegenspieler müssen also versuchen, so auszuspielen, daß der Spieler gezwungen wird, einen Stich zu übernehmen. Sobald dies gelungen ist, hat der Spieler verloren und es braucht nicht mehr weitergespielt zu werden. Null kann also unter Umständen schon mit dem ersten Stich entschieden sein. Wir geben zunächst ein Beispiel eines unverlierbaren offenen Nulls: Kreuz 10, 9, 7, Pik Bube, 8, 7, Herz König, Bube, 9, 7. Die Gegner mögen ausspielen, was sie wollen, Spieler kann stets mit einer niedrigeren Karte darunter bleiben. Es gibt dafür den Merkspruch: